Marktberichte
Sonderbericht Aprikose
Aprikosenanbau in Malatya zwischen Klimakrise, Ernteausfällen und vorsichtiger Erholung
Schwere Frostschäden im Jahr 2025
Der Aprikosenanbau in der türkischen Region Malatya, einem der weltweit bedeutendsten Produktionszentren für Trockenaprikosen, wurde im Jahr 2025 von einem außergewöhnlich schweren Rückschlag getroffen. Extreme Spätfröste im April mit Temperaturen bis unter –15 °C führten während der sensiblen Blütephase zu massiven Schäden. Dabei wurden vor allem die Blüten nahezu vollständig zerstört, sodass es in der Folge zu einem fast vollständigen Ernteausfall kam. Durch den Spätfrost und die darauffolgende Trockenheit gingen ca. 20 % aller Bäume im Jahr 2025 ein. Bis diese neugepflanzt werden und Früchte tragen wird es etwa 10 Jahre dauern.
Massive Auswirkungen auf Produktion und Export
Die Auswirkungen auf den Markt waren erheblich: Die Produktion getrockneter Aprikosen in der Region Malatya brach um bis zu 99 % ein, während die Exportmengen um mehr als 60 % zurückgingen.
Vorsichtiger Optimismus für die Ernte 2026
Für das Jahr 2026 zeichnet sich ein etwas besseres Bild ab. Die Aprikosenbäume sind insgesamt in deutlich verbesserter Verfassung in die Vegetationsperiode gestartet, und eine ausgeprägte Blüte ließ zunächst auf eine qualitativ hochwertige Ernte hoffen. Dennoch bleibt die Entwicklung stark witterungsabhängig. Anhaltend kühle und wechselhafte Bedingungen im Frühjahr beeinträchtigten teilweise den Fruchtansatz, da empfindliche Blüten geschädigt wurden oder vorzeitig abfielen.
Regionale Hagelschäden im Frühjahr 2026
Zusätzlich kam es Ende April 2026 zu lokalen Hagelereignissen, insbesondere in den Distrikten Akçadağ, Darende und Hekimhan. Diese führten zu punktuellen Schäden an jungen Früchten und teilweise auch an den Bäumen. Im Gegensatz zu den flächendeckenden Frostschäden des Vorjahres handelt es sich hierbei jedoch um regional begrenzte Ereignisse, die vor allem die Qualität und lokal die Erntemengen beeinflussen, nicht jedoch die gesamte Produktionsbasis der Region infrage stellen.
Produktion weiterhin unter Durchschnitt
Trotz der erkennbaren Erholung wird die Gesamtproduktion im Jahr 2026 voraussichtlich weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen und eher im Bereich von etwa 200.000 – 300.000 Tonnen liegen. Entsprechend angespannt bleibt die Marktsituation: Witterungsbedingte Schäden wie Hagel erhöhen zudem die Sortierverluste und verstärken die Knappheit von Kernen für die Ölproduktion.
Stabile Nachfrage bei begrenztem Angebot
Die Nachfrage, insbesondere aus der Europäischen Union, bleibt stabil, während das Angebot weiterhin begrenzt ist. Die endgültige Erntemenge und Qualität hängen maßgeblich von den Wetterbedingungen in den verbleibenden Wochen der Vegetationsperiode ab. Weitere Extremereignisse wie Spätfröste oder Hagel könnten die Situation erneut verschärfen und zu zusätzlichen Preisanstiegen führen.
Fragile Erholung und langfristige Risiken
Insgesamt befindet sich der Aprikosenanbau in Malatya nach dem Ausnahmejahr 2025 in einer fragilen Erholungsphase. Die Entwicklungen der vergangenen beiden Jahre verdeutlichen zugleich die hohe Anfälligkeit der Produktion gegenüber klimatischen Extremereignissen. Spätfröste, instabile Frühjahrswitterung und zunehmende Hagelereignisse stellen zentrale Risikofaktoren dar und könnten langfristig Anpassungsmaßnahmen im Anbau erforderlich machen.