Marktberichte

Marktbericht März 2022

Pflanzliche Öle

 

Durch den andauernden Krieg in der Ukraine sind die Preise an den Pflanzenölmärkten in nicht gekannte Höhen gestiegen. Die Unsicherheit bezüglich der physischen Verfügbarkeit führt zu großer Volatilität.

Sonnenblumenöl

Nachdem aus den wichtigsten Häfen am Schwarzen Meer seit ca. drei Wochen keine Verschiffungen von Rohöl oder Sonnenblumenkernen mehr stattgefunden haben, ist die Versorgung mit Sonnenblumenöl in der EU knapp geworden. Auch bestehende Verpflichtungen können von den europäischen Herstellern gar nicht oder nur zu einem Teil bedient werden, d.h. auch bestehende Kontrakte werden rationiert. Viele Verbraucher aus der Lebensmittelindustrie sind daher gezwungen auf andere Öle umzusteigen, was deren Preise ebenfalls in die Höhe treibt. Die anstehende Aussaat der kommenden Ernte in der Ukraine, die im Herbst 2022 eingebracht werden soll, ist durch den Krieg ebenfalls gefährdet. Die Landwirte kommen nicht auf die Felder, haben nicht genügend Treibstoff für den Betrieb der Landmaschinen verfügbar und es steht nicht ausreichend Dünger zur Verfügung. Damit werden die verfügbaren Sonnenblumenölmengen auch mittelfristig geringer sein, nachdem die Ukraine mit ca. 88 % der wichtigste Lieferant für die EU ist. Allerdings werden die Anbauflächen in der EU (Spanien, Frankreich Rumänien) aber auch in Argentinien ausgeweitet, was die fehlenden Mengen aber nur zu einem Teil ausgleichen kann. Aktuell gibt es fast keine Offerten für alterntige Ware und auch für die neue Ernte sind die Verkäufer sehr zurückhaltend. Das könnte sich teilweise ändern, wenn es zu einem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen käme. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die zerstörte Infrastruktur in den Häfen erst wieder aufgebaut werden muss. Dies wird sicherlich mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Rapsöl

Viele Verbraucher wollen und müssen jetzt vor allem auf Rapsöl umsteigen. Damit zieht hier die Nachfrage deutlich an. In der EU wird eine etwas größere Ernte als im Vorjahr erwartet, was aber die geringeren Mengen bei Sonnenblumenöl nicht kompensieren kann. Vieles kommt jetzt auf die kommende Ernte in Kanada an, wo die Landwirte voraussichtlich größere Flächen mit Raps bestellen werden. Aktuell verhalten sich die Anbieter eher vorsichtig. Für die alte Ernte gibt es fast keine Offerten. Erst ab August werden größere Mengen angeboten.

Sojaöl

Auch die Preise für Sojaöl sind in der letzten Zeit sehr stark gestiegen. Die Mengen in Südamerika sind weiterhin knapp und auch das US-Sojaöl ist für den Export aktuell limitiert. Letzteres könnte sich teilweise ändern, wenn die US-Regierung die Beimischungsquoten für Biodiesel kurzfristig reduziert. In Südeuropa wird aktuell die temporäre Verwendung von gentechnisch verändertem Sojaöl für die Lebensmittelindustrie diskutiert, da hier der Ausfall von Sonnenblumenöl kurzfristig zu Versorgungsengpässen im Lebensmitteleinzelhandel geführt hat. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die aktuelle Nachfrageentwicklung in China. Aufgrund der neuen Lockdowns im Zuge der ansteigenden Coronazahlen in China gehen Analysten von einer Abschwächung der Nachfrage aus, was sich preisdämpfend auswirken könnte. Aktuell werden für vordere Termine (Q2) in Europa keine Mengen offeriert.

Palmöl

Die Palmölpreise sind in den letzten Tagen zunächst in ungeahnte Höhen angestiegen. Nachdem Indonesien, das Land mit den weltweit größten Ölbeständen, die verpflichtende Quote der Vermarktung im Inland auf 30 % des Exportvolumens erhöht hat. Damit sollen die Lebensmittelpreise vor dem Ramadan stabilisiert werden. In der Zwischenzeit wurde diese Regelung durch Exportzölle ersetzt, die ab bestimmten Marktpreisniveaus greifen.

Ausblick

Kurzfristig wird es nicht möglich sein, den Ausfall von Sonnblumenöl aus der Schwarzmeer Region mit anderen Produkten zu kompensieren. Aktuell verstärkt sich die Nachfrage nach US Sojaöl. Auch alle anderen Speiseöle wie Rapsöl, Olivenöl, Sesamöl, Leinöl werden mehr nachgefragt und verteuern sich erheblich. Viele ärmere Länder müssen daher aufgrund der hohen Preise die Nachfrage reduzieren.
Besonders Verbraucher in Europa stehen vor einem Dilemma:

  • Einerseits muss die Lebensmittelindustrie Sonnenblumenöl ersetzen, kann aber nur auf begrenzte Mengen des heimischen Rapsöls zurückgreifen, da in Europa weiterhin u.a. aus Rapsöl hergestellter Biokraftstoff verpflichtend dem Diesel beigemischt werden muss. Vielleicht gibt es hier ein Umdenken in der Politik, die Mandate der Beimischung (aktuell 7%) zumindest temporär abzusenken oder auszusetzen.
  • Außerdem stünden Mengen an Sojaöl zur Verfügung, die allerdings aus gentechnisch modifizierten Sojabohnen in den USA und Südamerika gewonnen werden.
  • Schließlich kommt noch erschwerend hinzu, dass viele Markenhersteller bewusst auf Palmöl/Palmolein in ihren Rezepturen verzichten und dies auch deklarieren.

All diese Aspekte gilt es jetzt, für die Zukunft neu zu bewerten

 

Öle aus Eigenproduktion in den USA

 

Mandelöl

Die schöne Blütezeit der Mandelbäume ist vorbei. Es gab währenddessen ein paar Stunden Frost, aber die Auswirkungen auf die endgültige Ernte dürften kaum ins Gewicht fallen. Genauere Informationen über die diesjährige Ernte werden im nächsten Monat verfügbar sein, wenn die Knospen zu reifen beginnen.

Pistazienkernöl

Die Ernteeinnahmen für 2021 belaufen sich derzeit auf ca. 528.000 Tonnen was auf eine gute Ernte schließen lässt. Der starke Inlandsverbrauch von Pistazien hält die Preise sehr stabil.

Walnussöl

Die endgültige Erntemenge ist im Vergleich zum letzten Jahr um 8,3 % gesunken, was das Preisniveau festigte.

 

Alle aktuellen Spezifikationen finden Sie auf unserer Website.

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