Marktberichte

Marktbericht August 2026

Aktuelle Marktsituation von Sojaöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Kokosöl, Palmöl, Rizinusöl, Mandelöl, Walnussöl Pistazienkernöl und Haselnussöl.

Pflanzliche Öle

 

Allgemeine Informationen

Zwei Entwicklungen bestimmen derzeit die Beschaffung. Die Biokraftstoffpolitik bindet weiterhin große Mengen Pflanzenöl, gestützt durch den Anstieg der Gasölnotierungen um 13 % in der Woche zum 13. August. Und der Krieg im Schwarzmeerraum trifft inzwischen die Ausfuhrwege selbst: Ausweichrouten stehen kaum zur Verfügung, da niedrige Flusspegel, knappe Lkw-Kapazität und gefährdete Bahnverbindungen zusammenkommen. Auch eine Waffenruhe würde daran wenig ändern, solange die Hafeninfrastruktur beschädigt ist. Am stärksten trifft es Sonnenblumenöl; weil Abnehmer ersatzweise auf Soja- und Palmöl ausweichen, ist der gesamte Pflanzenölkomplex fester geworden.

Sojaöl 

Die Einschätzung vom Monatsanfang ist überholt. Der US-Sojamarkt ist deutlich fester geworden; die Notierungen legten am US-Golf und an der CBOT um 4 bis 5 % zu, Sojaöl an der CBOT um 4 % in der Woche zum 20. August. Auslöser war weniger die Ernte selbst als ihre Neubewertung: Die höheren USDA-Schätzungen vom 12. August überzeugten den Markt nicht, und die Pro-Farmer-Erntetour lieferte schwächere Befunde als erwartet. Ein Ausfall ist das nicht, die Erträge bleiben aber unter denen des sehr starken Vorjahres. Da die US-Ölmühlen gleichzeitig auf Rekordniveau verarbeiten und China regelmäßig kauft, genügen bereits moderate Einbußen, um die Bestandsreichweite auf kritische Werte zu drücken. Aus Südamerika kommt vorerst keine Entlastung.

Rapsöl

Bei Raps treffen wachsende Nachfrage und schrumpfendes Angebot aufeinander. Die Biokraftstoffvorgaben in den USA und der EU-27 binden zunehmend Rapsöl in Biodiesel und HVO und die US-Nachfrage stützt zusätzlich den kanadischen Canolamarkt. Gleichzeitig fällt die europäische Ernte schwächer aus: Der Deutsche Raiffeisenverband nennt für Deutschland nur noch 3,7 Mio. Tonnen nach 4,0 Mio. Tonnen im Vorjahr, während andere Marktbeobachter einen Rückgang dieser Größenordnung bislang nicht bestätigen. Innerhalb der EU bleibt das Bild uneinheitlich, mit höheren Erträgen in Bulgarien und einem deutlichen Einbruch in Tschechien. Die Notierungen legten in der Woche zum 13. August an der Matif um 2,7 % und an der ICE um 4,5 % zu. Für die kommenden Monate ist weltweit mit einem knappen Exportangebot zu rechnen.

Sonnenblumenöl

Sonnenblumenöl ist die am stärksten gefährdete Position. Saat, Öl und Schrot sind gleichermaßen betroffen, und die Aufschläge gegenüber den konkurrierenden Ölen reichen inzwischen bis in die Verschiffungspositionen Oktober/Dezember 2026. Die Handelsaktivität ist dennoch gering. Da sich die künftigen Ausfuhrmengen aus Russland und der Ukraine kaum abschätzen lassen, kommen nur wenige Abschlüsse zustande und das auf einem Niveau, das für neuerntige Ware deutlich über den Erwartungen vom Saisonbeginn liegt. Für die kurzfristige Bedarfsdeckung wird derzeit überwiegend auf Soja- und Palmöl zurückgegriffen.

Kokosöl

Kokosöl hat sich der festen Tendenz im Laurics-Bereich angeschlossen und in der Woche zum 20. August um 5 % zugelegt. Die Treiber entsprechen denen bei Palmkernöl: die Sorge um die produktionsseitigen Folgen des aufziehenden El Niño und die anhaltend festen Energiemärkte.

Palmöl

Als Ausweichprodukt steht Palmöl nur eingeschränkt zur Verfügung und ist zuletzt selbst deutlich teurer geworden: In der Woche zum 20. August legten Palmöl um 3 bis 4 % und Palmkernöl um knapp 7 % zu. Maßgeblich ist dabei die Erwartung für die kommenden Ernten. Die auffällige Trockenheit in Teilen Südostasiens gilt als frühes Signal des aufziehenden El Niño; auf die Erntemengen wirkt sich das erst im Verlauf von 2027 aus. Die Verkäuferseite nimmt das vorweg und ruft für die entfernteren Termine wachsende Aufschläge auf — ab Oktober liegt Palmöl über Sojaöl, für Januar/März 2027 mit deutlichem Abstand. Die Ausgangslage bleibt ohnehin angespannt: Malaysia produzierte im Juli den fünften Monat in Folge weniger als im Vorjahr und in Indonesien bindet der Inlandsmarkt einen wachsenden Anteil für Biodiesel.

Rizinusöl

Die Tendenz hat sich umgekehrt. Nachdem die Notierungen über den Sommer weitgehend seitwärts liefen, ziehen sie aktuell deutlich an, da sich die Aussichten für die neue Ernte spürbar eingetrübt haben. Indien befindet sich zugleich in der Nebensaison mit nur noch 15.000 bis 20.000 Sack Anlieferung pro Tag und die Seefrachten nach Europa und in die USA liegen inzwischen beim Drei- bis Vierfachen des Juni-Niveaus. Ursache ist der schwache Monsun. Der Juni war mit einem Defizit von 33 bis 43 % einer der trockensten seit über einem Jahrzehnt; bis Mitte Juli verringerte sich der Rückstand auf etwa 24 %, die Niederschläge kamen damit zu spät. Entsprechend deutlich fällt der Rückstand bei der Aussaat aus. Zum Stand 21. August weist das indische Landwirtschaftsministerium für Rizinus 588.000 Hektar aus gegenüber 742.000 Hektar zum selben Zeitpunkt des Vorjahres, ein Minus von rund 21 %. Die Aussaat läuft allerdings noch: Im Vorjahr wurde bis zum Saisonende eine Gesamtfläche von 1.089.000 Hektar erreicht. Wie groß der Rückstand am Ende ausfällt, hängt damit maßgeblich von den Niederschlägen der kommenden Wochen ab. Die Talsperren waren Mitte Juli nur zu rund 34 % gefüllt. Für den Zeitraum November 2026 bis Januar 2027 wird aus dem Markt ein zweistelliger prozentualer Anstieg erwartet, bei weiter unzureichenden Niederschlägen entsprechend mehr. Da sich durch die späte Aussaat auch die Ernte verschiebt, ist mit neuerntiger Ware nicht vor Mitte März 2027 zu rechnen.

 

Öle aus Eigenproduktion in Bischofswiesen

 

Bio-Sonnenblumenöl

Die Ernte beginnt in Kürze; der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wie stark sich die diesjährige Trockenheit ausgewirkt hat. Die Ertragsaussichten fallen heterogen aus. In der Slowakei, in Ungarn und in Westrumänien wird mit deutlichen Einbußen gerechnet. Alterntige Saat ist nicht mehr verfügbar, ein Carryover in die neue Saison gibt es nicht. Der Markt ist damit vollständig auf die kommende Ernte angewiesen und regionale Ausfälle schlagen entsprechend unmittelbar durch. Das Preisniveau für neuerntige Saat liegt hoch und ob die Ernte den Bedarf bis zum Anschluss an die neue Ernte 2027 decken wird, ist derzeit offen.

 

Öle aus Eigenproduktion in den USA

 

Mandelöl

Die Erzeuger berichten weiterhin von kleinen Nussgrößen, was sich auch bei der Sorte „Nonpareils“ bestätigt. Die Ernteschätzungen sind in den letzten Wochen deutlich nach unten korrigiert worden. Es gibt keine Überhänge aus dem Vorjahr und die Nachfrage bleibt stark. Infolgedessen sind die Preise stark gestiegen und wir empfehlen, den Bedarf zu sichern.

Walnussöl

Die Ernte 2025 wurde außerordentlich gut vermarktet; der Absatz hat sich in etwa verdoppelt, wobei ein Großteil auf den Verkauf von Walnüssen in der Schale entfiel. Für 2026 wird eine ähnlich große Ernte wie im Vorjahr erwartet, während die Preisniveaus für „Golden Chandlers“ voraussichtlich stabil bleiben. Die Ernte hat noch nicht begonnen; derzeit herrschen bei strahlendem Sonnenschein Temperaturen von 40°C – eine besonders heikle Phase für die Walnüsse.

Pistazienkernöl

Die Ernte fällt äußerst mager aus. Derzeit wird mit etwa 800 Millionen Pfund gerechnet, während die normale Ernte bei 1,2 Milliarden Pfund liegt – und das trotz einer beträchtlichen Ausweitung der Anbaufläche. Die Preise sind bereits deutlich gestiegen und weitere Anstiege sind wahrscheinlich.

Haselnussöl

Die Ernte in den USA und in der Türkei fällt dieses Jahr schlecht aus, während die Nachfrage gleichzeitig hoch ist. Das Angebot ist nach wie vor knapp und die Preise sind deutlich gestiegen. Wir rechnen kurzfristig nicht mit einer Entspannung der Lage.

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